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Arena der Einsamkeit – Ein TMS Bericht von Martha Friese

Martha hat am 01.08.2020 den TMS geschrieben. 6,75 Std. non-stop Konzentration für den alles entscheidenden Test! Wie sich diese psychische Kraftprobe anfühlt, hat Martha zum nachfühlen zusammengefasst.

© Martha Friese

Ankunft um 8:45 Uhr. T minus 60 Minuten. Registrierung im Sektor ,,eins”. Komisch, es gibt gar keine Eins, bloß Buchstaben…ob ich dann zu ,,A” muss? Langsam fällt der Groschen, die ,,eins” ist ein I. Peinlich berührt von mir selbst gehe ich zum Registrierungstisch und frage mich nach diesem Fauxpas, ob ein Test, der auf strategisches Denken ausgelegt ist, wirklich eine gute Idee war.

Es ist 9 Uhr. T minus 45. Ich gehe das dritte Mal auf Toilette, um ja nicht während des Tests zu müssen, langsam wird es unangenehm, wenn einen die fragenden Blicke der restlichen Testteilnehmer begleiten. Blasenschwäche? Nein, nur der Kaffee heute morgen hätte nicht sein müssen.

9:10 Uhr. T minus 35. Die Textmarker werden zum dritten Mal neu geordnet. Flüchtiger Blickkontakt mit der Aufsicht, schnell die Hände ruhig halten, bloß keinen Verdacht auf einen Täuschungsversuch erregen.
Endlose Minuten des Wartens. Ein weiterer Toilettengang. Verstohlene Blicke zur Seite, die Konkurrenz begutachten. Oder sind es doch die Leidensgenossen?

9:45 Uhr. T minus null. Die Aufsicht aktiviert das Mikrofon und verliest frisch fröhlich alle Regelbrüche, die zum Testausschluss führen.
9:54 Uhr. Die Testbögen werden verteilt. Noch schnell das Ohropax vorformen, dann geht es los.

22 Minuten lang 24 Aufgaben ,,Muster zuordnen”.
Der Anfang geht schnell, Hochgefühl kommt auf, schnell gedämpft durch unklare Muster, die letzten drei Aufgaben werden aufgrund von Zeitmangel geraten.

60 Minuten 24 Texte ,,Medizinisch naturwissenschaftliches Grundverständnis”.
Die Zeit verfliegt, als durch die Ohrstöpsel die Worte ,,Bitte blättern Sie weiter zu Schlauchfiguren und beginnen Sie….jetzt.” durchdringen fehlen noch vier Texte. Egal, weitermachen, schnell was ankreuzen in der Hoffnung auf Punkte.

15 Minuten 24 Aufgaben ,,Schlauchfiguren”.
Das ist mein Test! Hier hatte ich immer die volle Punktzahl, kann nur gut werden! Oh, wie man sich Luftschlösser baut. Es ist allgemein bekannt, dass die Testhersteller Schlauchfiguren jedes Jahr noch schwieriger gestalten als im Vorjahr, es ist ihnen gelungen. Das erste Mal nicht in der vorgegebenen Zeit fertig geworden, welch Schmach! Doch für Enttäuschung ist keine Zeit.

60 Minuten ,,Quantitative und formale Probleme”.
Der gefürchtetste, unbeliebteste Untertest, die Rupalwand des TMS: Viele versuchen es, alle scheitern. Erstaunlicherweise mein bester Teil, ich werde vor der Zeit fertig und schaffe es noch, meine Antworten zu überdenken. Doch der Weg zum Gipfel ist weit.

8 Minuten ,,Konzentriertes und sorgfältiges Arbeiten”.
Meine Problemstelle: Weiter als bis zur Hälfte kam ich nie, ich befürchtete das Schlimmste. Und das Schlimmste sollte ich bekommen: Mit quälender Langsamkeit kämpfe ich mich von Zeichen zu Zeichen und als das Signal zum Stift weglegen ertönt weiß ich: Das war nichts.

60 Minuten Mittagspause.
Der lang ersehnte Toilettengang! Die ungarische Salami auf dem selbstgebackenen Brötchen schmeckt mit dem Wissen, die Hälfte geschafft zu haben, noch viel besser! Im Gespräch mit anderen Testteilnehmer stellt sich heraus, dass sie meine Erfahrungen teilen. Welch Freude nicht allein zu sein in dieser weißen Einsamkeit!

© Martha Friese

4 Minuten Einprägephase ,,Figuren lernen”.
24 Figuren und sie sehen alle gleich aus. ,,Oh ein Pilz. Oh noch ein Pilz.” Die ersten zwei Zeilen lassen sich noch zu abstrakten Figuren verformen, danach verschwimmt alles zu einem einzigen großen Kreis.

6 Minuten Einprägephase ,,Fakten lernen”.
Die Altersgruppen sind nicht geordnet, eine Hürde, die ich nicht mit Leichtigkeit nehme. Aber ich nehme sie. Das Einprägen läuft gut und in meinem Kopf entstehen Bilder von pflegebedürftigen Hörakustikern mit Organspendeausweis.

60 Minuten ,,Textverständnis”.
4 Texte, 24 Fragen. Die Zertrümmerungsphase. Alles eben Gelernte soll weggewischt werden durch Infos über präsynaptische Membranen und Sekundärthromben. Strategisches Vorgehen ist hier essentiell, die Zeit nutze ich effizient. Immer weiter!

5 Minuten Reproduktionsphase ,,Figuren lernen”.
,,Oh die kenne ich, das ist der Pilz! Oder doch die?” Einige Figuren erkenne ich sofort, bei anderen bin ich mir unsicher, die übrigen kreuze ich auf gut Glück an. Schade, lief es doch beim Üben in der Vergangenheit zufriedenstellend.

7 Minuten Reproduktionsphase ,,Fakten lernen”.
Bilder erscheinen vor meinem inneren Auge. Leidet die untergewichtige Osteopathin an einer Blausäurevergiftung oder war es doch Spondylose? Mit einem recht guten Gefühl beende ich diesen Untertest. Jetzt noch etwas durchhalten, dann ist es geschafft, die letzten Meter!

60 Minuten ,,Diagramme und Tabellen”
Ein letzter Anstieg über den Vorgipfel, dann bist du oben! Nie sah ein Mensch so viele verschiedene Diagrammtypen wie in diesem Untertest! Nicht einzuschätzen, ob ich diese abstrakte Kunst richtig verstanden habe.

16:29 Uhr. 6,75 Stunden liegen hinter mir, ich fühle mich erstaunlich gut. Wie ich abgeschnitten habe, vermag ich nicht einzuschätzen, doch die Freude, es hinter mich gebracht zu haben, ist zu groß um mich mit derart banalen Fragen zu beschäftigen.

Göttingen, ich komme!

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2 Kommentare

Lina 31. August 2020 um 11:23

Wow! Ich habe jeden einzelnen Satz mit Hochgefühl gelesen und mich in die Situation hineinversetzt. Ich beneide die Menschen, die den Test bereits geschrieben und damit einen großen Meilenstein überwunden haben.
Mich würde noch interessieren, zu welchem Ergebnis der Autor kam? Welchen Prozentrang hat er erreicht?

Danke für den Bericht!

Antworten

marthafriese 5. September 2020 um 17:47

Hallo Lina!
Vielen Dank für deinen Kommentar, ich bin mir sicher, du wirst den Test erfolgreich meistern.
Mein Ergebnis selbst war recht durchschnittlich, für mich aber zufriedenstellend, da es mir die nötigen Punkte geben sollte, um Medizin zu studieren ;). Dazu könnte man noch erwähnen, dass ich relativ spontan entschieden habe, tatsächlich am Test teilzunehmen, und meine Vorbereitungszeit entsprechend kurz ausfiel.
Ich wünsche dir alles Gute für deine Zukunft, viel Motivation in der Vorbereitung und einen erfolgreichen Test!.

LG
Martha Friese

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