Bei Deiner Recherche rund um das Psychologiestudium bist Du sicherlich schon auf den Begriff „polyvalenter Bachelor“ gestoßen. Doch was bedeutet „polyvalent“ überhaupt? Welche Möglichkeiten eröffnet einem dieser Studiengang später und passt er überhaupt zu dem, was Du Dir für deine Zukunft wünschst? In diesem Artikel erklären wir Dir, was der polyvalente Bachelor in Psychologie ist, welche Inhalte dahinterstecken und warum dieser Studiengang besonders interessant sein kann, wenn Du Dir vorstellen kannst Psychotherapeut:in zu werden.

Was bedeutet polyvalent im Psychologiestudium?

Der Begriff „polyvalent“ bedeutet so viel wie „mehrere Möglichkeiten eröffnend“. Im Kontext des Psychologiestudiums heißt das: Der Bachelor ist so konzipiert, dass er verschiedene akademische und berufliche Anschlusswege offenhält. Er legt also nicht von Anfang an nur einen einzigen Schwerpunkt fest, sondern vermittelt Grundlagen, die für unterschiedliche Masterstudiengänge und spätere Tätigkeitsfelder relevant sein können.

Warum gibt es den polyvalenten Bachelor?

Der polyvalente Bachelor in Psychologie wurde eingeführt, um den Übergang zur Reform des Psychotherapeutengesetzes (PsychThG 2020) zu gestalten. Im Zuge der Reform wurde festgelegt, dass angehende Psychotherapeut:innen bereits im Studium bestimmte Inhalte und Qualifikationen erwerben müssen, um später einen passenden Masterstudiengang anschließen zu können.

Dadurch wurde es für Hochschulen notwendig, Bachelorstudiengänge so zu gestalten, dass sie den Zugang zu unterschiedlichen Masterwegen ermöglichen können – darunter auch zu solchen, die für den psychotherapeutischen Berufsweg relevant sind. Der polyvalente Bachelor schafft eine Grundlage, die nicht zu früh festlegt, sondern mehrere Optionen offenhalten soll.

Welche Inhalte hat der polyvalente Bachelor in Psychologie?

Die genauen Inhalte können sich je nach Hochschule unterscheiden. Grundsätzlich umfasst ein polyvalenter Bachelor aber die zentralen Grundlagenfächer der Psychologie. Dazu gehören meist:

  • Allgemeine Psychologie
  • Biologische Psychologie
  • Entwicklungspsychologie
  • Sozialpsychologie
  • Differentielle und Persönlichkeitspsychologie
  • Klinische Psychologie
  • Methodenlehre und Statistik
  • Diagnostik
  • Wissenschaftliches Arbeiten

Zusätzlich zu den zentralen Grundlagenfächern können weitere Inhalte dazukommen, etwa aus der pädagogischen Psychologie, der Arbeits- und Organisationspsychologie oder aus dem Bereich Psychotherapie.

Worin liegt der Unterschied zu nicht-polyvalenten Psychologie-Studiengängen?

Ein polyvalentes Psychologiestudium soll Dir möglichst viele Wege nach dem Bachelor offenhalten. Ein nicht-polyvalenter Studiengang vermittelt zwar ebenfalls psychologische Grundlagen, kann aber in Aufbau und Inhalten stärker begrenzt sein – und damit auch in den Möglichkeiten, die Dir später offenstehen.

Polyvalenter Bachelor Nicht-polyvalenter Bachelor
Aufbau Vermittelt das Spektrum der Psychologie (von Biopsychologie bis Sozialpsychologie) in der Tiefe, die das Psychotherapeutengesetz fordert. Ist oft von Beginn an auf einen spezifischen Bereich (z.B. Wirtschaft oder Medien zugeschnitten.
Inhalt Beinhaltet zwingend alle klinischen und methodischen Grundlagen für die Approbationsordnung. Kürzt oft Grundlagenfächer (z.B. Biopsychologie), um Platz für fachspezifische Fächer zu schaffen.
Deine Zukunft Du erhältst eine fundierte wissenschaftliche Ausbildung, die Dich zur Generalist:in macht. Du wirst frühzeitig zur Spezialist:in in einer Nische ausgebildet.

a) Die Hürde zur Psychotherapie

Der wichtigste Punkt zuerst: Ohne die spezifischen klinischen Module des polyvalenten Bachelors ist der Weg zur Approbation rechtlich versperrt. Da ein nicht-polyvalentes Studium diese exakten gesetzlichen Vorgaben oft nicht erfüllt, kannst Du den dafür notwendigen Master in Klinischer Psychologie und Psychotherapie in der Regel nicht antreten.

b) Master-Optionen & Flexibilität

Polyvalenter Bachelor: Da Du alle Grundlagenfächer abgedeckt hast, akzeptieren Dich fast alle staatlichen Universitäten für Masterstudiengänge in den verschiedensten Richtungen – egal ob Rechtspsychologie, Personalwesen oder Forschung.

Nicht-polyvalenter Bachelor: Wenn Dein Bachelor-Lehrplan wichtige Grundlagen (wie Diagnostik oder Biopsychologie) zugunsten Deiner Spezialisierung gekürzt hat, fehlen Dir oft die notwendigen ECTS-Punkte für die Zulassung zu allgemeinen Psychologie-Mastern an staatlichen Universitäten.

c) Fachliche Flexibilität vs. Festlegung

Durch den breiten Aufbau des polyvalenten Bachelors behältst Du Dir die Entscheidungsflexibilität. Entdeckst Du erst im vierten Semester Dein Interesse an der Neuropsychologie, ist das kein Problem. Im nicht-polyvalenten Studium bist Du hingegen stärker auf den fachlichen Pfad festgelegt, den Du zu Beginn gewählt hast. Ein späterer Wechsel in eine andere psychologische Disziplin ist dann oft nur mit großem Aufwand oder dem Nachholen von Modulen möglich.

Polyvalenter vs. nicht-polyvalenter Bachelor kurzgefasst

Polyvalent = breiter angelegt, mehrere Wege möglich
Nicht-polyvalent = oft spezieller oder eingeschränkter in den Anschlussmöglichkeiten

Kann ich mit dem polyvalenten Bachelor Psychotherapeut:in werden?

Wer Psychotherapeut:in werden möchte, beginnt diesen Weg in der Regel mit dem polyvalenten Bachelor in Psychologie. Er ist die grundlegende Voraussetzung, um anschließend einen passenden Masterstudiengang aufzunehmen und die nächsten Schritte in Richtung Psychotherapie zu gehen.
Wichtig ist jedoch, dass der Studiengang die entsprechenden inhaltlichen und formalen Voraussetzungen erfüllt. Deshalb lohnt sich ein genauer Blick auf Aufbau, Module und Studienschwerpunkte der jeweiligen Hochschule.

Für wen lohnt sich der polyvalente Bachelor besonders?

Der polyvalente Bachelor in Psychologie kann vor allem für Menschen sinnvoll sein, die sich möglichst viele Optionen offenhalten möchten. Das betrifft vor allem Studieninteressierte, die:

  • sich für Psychologie interessieren, aber noch keinen klaren Berufsschwerpunkt gewählt haben
  • sich die Möglichkeit eines späteren psychotherapeutischen Weges offenhalten möchten
  • ein breites, wissenschaftlich fundiertes Psychologiestudium suchen
  • sich erst im Laufe des Studiums spezialisieren möchten.

Fazit

Der polyvalente Bachelor in Psychologie ist vor allem für all diejenigen sinnvoll, die sich eine breite psychologische Grundlage wünschen und sich für den weiteren Studien- und Berufsweg möglichst viele Optionen offenhalten möchten. Besonders relevant ist er auch für alle, die sich eine spätere Laufbahn in der Psychotherapie vorstellen können, da er dafür in der Regel eine wichtige Voraussetzung bildet. Welche Möglichkeiten Dir nach dem Bachelor tatsächlich offenstehen, hängt jedoch auch vom Aufbau des Studiengangs und Deiner Modulwahl ab. Gerade deshalb lohnt es sich, bei der Studienwahl nicht nur auf den Namen des Studiengangs, sondern auch auf Inhalte, Struktur und Anschlussmöglichkeiten zu achten.

Deine Studienwahl

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Du fragst Dich, ob Du Psychologie studieren sollst und ob dieser Studiengang der richtige für Dich ist? Unser Artikel bietet Dir eine Checkliste zur Entscheidungshilfe.

Was erwartet mich im Psychologiestudium

FAQs

Polyvalent bedeutet im Psychologiestudium, dass der Studiengang so aufgebaut ist, dass er mehrere akademische und berufliche Anschlusswege offenhalten soll.

Der polyvalente Bachelor in Psychologie wurde unter anderem relevant, weil sich durch die Reform des Psychotherapeutengesetzes (PsychThG 2020) neue Anforderungen an psychologische Studiengänge ergeben haben.

Der polyvalente Bachelor bildet die notwendige Grundlage, um später einen passenden Masterstudiengang aufzunehmen und die weiteren Schritte auf dem Weg zum Berufsziel der Psychotherapeut:in zu gehen.

Wenn Du Dir eine Zukunft in der Psychotherapie vorstellen kannst, ist der polyvalente Bachelor in Psychologie in der Regel ein fester Bestandteil. Er bildet die notwendige Grundlage, um später einen passenden Masterstudiengang zu absolvieren und die nächsten Schritte in Richtung psychotherapeutischer Tätigkeit zu gehen.

Nachdem Du den polyvalenten Bachelor abgeschlossen hast, stehen dir je nach Aufbau Deines Studiums und Deiner Modulwahl, viele Türen offen. Zum Beispiel ein Master in klinischer Psychologie, Psychotherapie, Arbeits- und Organisationspsychologie, Bildungspsychologie oder in weiteren psychologischen Fachrichtungen wie Gesundheits-, Neuro-, Rechts- oder Sportpsychologie.

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