Du willst Psychologie studieren und fragst Dich, wie die Bewerbung für das Psychologiestudium eigentlich funktioniert? Gute Frage – denn das ist nicht ganz so simpel wie bei zulassungsfreien Studiengängen. Psychologie ist fast überall zulassungsbeschränkt, das Auswahlverfahren läuft über mehrere Kriterien gleichzeitig, und wer zu spät anfängt, sich zu informieren, verliert wertvolle Zeit.
Dieser Artikel gibt Dir einen vollständigen Überblick: Was sind die Voraussetzungen, wie läuft die Bewerbung ab, welche Fristen gelten – und was kannst Du konkret tun, um Deine Chancen zu verbessern?
Was Du für das Psychologiestudium brauchst
Die formale Grundvoraussetzung für das Psychologiestudium ist die allgemeine Hochschulreife (Abitur) oder in manchen Fällen die Fachhochschulreife. Das ist der offizielle Mindeststandard.
In der Praxis reicht das alleine nicht. Da Psychologie fast überall zulassungsbeschränkt ist, entscheidet nicht nur, ob Du die Zulassungsvoraussetzungen erfüllst, sondern wie gut Du im Vergleich zu allen anderen Bewerber:innen da stehst. Das Psychologiestudium hat an den meisten staatlichen Universitäten einen NC zwischen 1,0 und 2,3 – je nach Hochschule und Semester. Genaue aktuelle Werte findest Du in unserem Artikel zum Psychologie NC.
Das heißt aber auch: Die Abiturnote ist nicht der einzige Faktor.
Auswahlverfahren Psychologiestudium
Die meisten staatlichen Unis vergeben ihre Psychologie-Studienplätze über ein hochschuleigenes Auswahlverfahren (HZV). Dabei fließen in der Regel drei Dinge in die Bewerbung ein:
1. Die Abiturnote ist nach wie vor das Hauptkriterium – aber nicht das einzige. An vielen Hochschulen wird sie in einen Punktwert umgerechnet, der dann mit anderen Faktoren verrechnet wird.
2. Außerschulische Leistungen können Dir Zusatzpunkte bringen. Dazu zählen abgeschlossene Berufsausbildungen, ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ), Bundesfreiwilligendienst oder andere einschlägige Tätigkeiten. Was genau anerkannt wird und wie viele Punkte es gibt, ist von Uni zu Uni unterschiedlich.
3. Der BaPsy-DGPs – und das ist der Punkt, den viele Bewerber:innen unterschätzen. Der BaPsy ist ein freiwilliger Studieneignungstest für den Bachelorstudiengang Psychologie, der von der Deutschen Gesellschaft für Psychologie (DGPs) angeboten wird. Viele deutsche Hochschulen rechnen das Testergebnis direkt in die Bewerbungspunktzahl ein. Ein gutes BaPsy-Ergebnis kann einen schwächeren Abiturschnitt deutlich ausgleichen. Mehr dazu auf unserer BaPsy-Übersichtsseite.
Wann und wo Du Dich für das Psychologiestudium bewirbst
Bewerbungsfristen: Die zentrale Frist für Deine Bewerbung zum Psychologiestudium im Wintersemester ist der 15. Juli. Beachte, dass Psychologie fast an allen staatlichen Universitäten nur zum Wintersemester startet.
Der Regelfall – Bewerbung über hochschulstart.de (DoSV): Die allermeisten staatlichen Universitäten vergeben ihre Psychologie-Studienplätze über das zentrale Portal hochschulstart.de. Das Verfahren läuft nach dem sogenannten Dialogorientierten Serviceverfahren (DoSV): Du registrierst Dich zunächst bei hochschulstart.de. Viele Hochschulen verlangen zusätzlich, dass Du Dich im eigenen Bewerbungsportal der Uni registrierst und beide Accounts dann verknüpfst. Das klingt umständlicher als es ist, aber es lohnt sich, die Anleitung der jeweiligen Uni einmal genau durchzulesen – die genauen Schritte unterscheiden sich nämlich von Uni zu Uni leicht.
Du kannst Dich gleichzeitig bei mehreren Hochschulen bewerben. Üblich sind drei bis fünf Universitäten, bei denen Du Deine Chancen realistisch einschätzt.
Die Ausnahme – Bewerbung direkt bei der Hochschule: Einige wenige staatliche Hochschulen sowie fast alle privaten Universitäten und Fachhochschulen nutzen hochschulstart.de nicht. Dort bewirbst Du Dich direkt über das Bewerbungsportal der jeweiligen Einrichtung. Private Anbieter wie beispielsweise die Psychologische Hochschule Berlin haben eigene Verfahren mit eigenen Fristen – informier Dich dort separat.
Wartesemester Psychologiestudium: Lohnt sich das Warten?
Wenn Du im ersten Anlauf keinen Studienplatz bekommst, kannst Du Wartesemester sammeln. Das sind Semester, die Du nach dem Abitur nicht eingeschrieben warst – also praktisch „wartest“. Viele Unis berücksichtigen Wartesemester im Auswahlverfahren als Zusatzpunkte.
Ein paar Dinge sind dabei wichtig: Nicht jede Hochschule gibt Punkte für Wartesemester und manche deckeln die Anrechnung bei sieben Semestern. Außerdem gilt: Semester, in denen Du an einer anderen Hochschule eingeschrieben warst, zählen in vielen Fällen nicht als Wartezeit. Wer also während des Wartens ein anderes Studium beginnt, verliert unter Umständen seine Wartezeit für Psychologie.
Ob das Warten sinnvoll ist, hängt von Deiner persönlichen Situation ab. Wer in der Zwischenzeit den BaPsy schreibt, ein FSJ absolviert oder eine Ausbildung abschließt, kann die Zeit sinnvoll nutzen und gleichzeitig seine Bewerbungspunkte verbessern. Du solltest aber nicht einfach nur Deine Zeit absitzen und darauf pokern, dass Du allein dadurch deinen Studienplatz bekommst.
Bewerbung Psychologiestudium: Was Du konkret tun kannst
Wenn Du Psychologie studieren willst, gibt es ein paar Dinge, die Du nicht auf die lange Bank schieben solltest:
BaPsy anmelden. Der Test findet einmal jährlich statt, die Anmeldung muss rechtzeitig erfolgen. Das Ergebnis verbessert Deine Bewerbungschancen an vielen Hochschulen enorm. Auch wenn Dein Abi gut ist, lohnt sich ein gutes BaPsy-Ergebnis – denn andere Bewerber:innen haben es auch und Du willst ja besser sein.
Hochschulen vergleichen. NC-Werte variieren stark. Köln, München und Heidelberg gehören zu den härtesten Standorten. An anderen Hochschulen – etwa in Ostdeutschland oder kleineren Städten – sind die Chancen oft deutlich besser. Bewerb Dich breit, nicht nur an Deiner Traumuni.
Fristen im Kalender eintragen. Der 15. Juli ist der zentrale Stichtag – aber einige Hochschulen haben eigene Portale und eigene Fristen. Das solltest Du nicht übersehen.
Unterlagen vorbereiten. Für die Bewerbung brauchst Du in der Regel Dein Abiturzeugnis, ggf. Nachweise über außerschulische Leistungen (FSJ-Bescheinigung, Ausbildungszeugnis stc.) und Dein BaPsy-Ergebnis, falls Du daran teilgenommen hast. Prüfe also für jede Hochschule, was genau gefordert wird.
Was ist, wenn der NC für die Bewerbung im Psychologiestudium nicht reicht?
Kein Studienplatz im ersten Anlauf ist enttäuschend, aber kein Endurteil. Es gibt mehrere Wege, wie Du trotzdem Psychologie studieren kannst.
Den BaPsy nachholen. Wenn Du den Test noch nicht geschrieben hast, ist das der direkteste Hebel. Ein gutes Ergebnis kann einen NC-Nachteil stark ausgleichen und Deine Chancen auf das Psychologiestudium deutlich erhöhen.
Wartesemester sinnvoll nutzen. FSJ, Ausbildung, Praktika in psychologienahen Bereichen – das bringt Zusatzpunkte und zeigt Engagement. Und es ist deutlich produktiver als einfach zu warten.
Andere Studienorte in Betracht ziehen. Wer bereit ist, umzuziehen, hat in vielen Fällen deutlich bessere Chancen. Die Qualität des Studiums ist an kleineren Universitäten nicht schlechter.
Private Hochschulen prüfen. Einige private Hochschulen bieten Psychologie ohne NC an – oft über Auswahlgespräche. Das kostet Studiengebühren, aber kann ein echter Weg sein, wenn alle anderen Optionen nicht greifen. Mehr dazu und zu weiteren Wegen findest Du in unserem Artikel zu Alternativen zum Psychologiestudium.
Fazit
Die Bewerbung fürs Psychologiestudium ist kein Hexenwerk – aber sie erfordert Vorbereitung und Überblick. Wer frühzeitig den BaPsy in den Blick nimmt, sich an mehreren Hochschulen bewirbt und die Fristen im Griff hat, verbessert seine Chancen erheblich. Und wer keinen Platz bekommt, hat mit Wartesemestern, BaPsy und außerschulischen Leistungen konkrete Hebel – keine leeren Trostpflaster.
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