„Medizin studieren? Klingt spannend – aber da muss man so viel lernen und hat keine Freizeit mehr, oder?“ Vorneweg: Diesen Satz habe ich vor und während des Studiums ungefähr hundertmal gehört. Und ja: Das Medizinstudium ist anspruchsvoll. Aber vor allem ist es strukturiert. Wenn Du weißt, welche Prüfungen wann kommen, was von Dir erwartet wird und wie man sich vorbereitet, verliert das Ganze viel von seinem Schrecken. Und ganz ehrlich: Meine Freizeit ist im Studium definitiv nicht zu kurz gekommen.
Ich bin Marie, studiere Human- und Zahnmedizin in Tübingen und stehe kurz vor dem zweiten Staatsexamen. In diesem Artikel nehme ich Dich mit durch die großen Prüfungen im Medizinstudium, erkläre Dir, was im Daily Business sonst noch so geprüft wird und gebe Dir einen zeitlichen Überblick, damit Du weißt, worauf Du Dich einlässt.

Das Medizinstudium in drei großen Etappen

Das Studium ist bundesweit einheitlich geregelt und besteht aus drei großen Abschnitten. Dazwischen gibt es viele kleinere Prüfungen, aber auch immer mehr Praxis.

  1. Vorklinik – Abschluss: Physikum (M1)
  2. Klinik – Abschluss: zweites Staatsexamen (M2)
  3. Praktisches Jahr (PJ) – Abschluss: M3

1. Das Physikum – die erste große Hürde

Wann ist das Physikum?

Das Physikum ist nach dem 4. Semester, also am Ende der Vorklinik. In der Vorklinik geht es erst einmal um die Basics: Anatomie, Neuroanatomie, Biochemie, Physiologie, Physik, Chemie, Psychologie und Soziologie. Dieses Grundlagenwissen wird im ersten Staatsexamen geprüft.

Was wird im Physikum geprüft?

Im Physikum werden die naturwissenschaftlichen und medizinischen Grundlagen geprüft. Du lernst kurz gesagt: Wie funktioniert der menschliche Körper – von der Zelle bis zum Organ?

  • Anatomie & Neuroanatomie
  • Physiologie
  • Biochemie
  • Histologie
  • Psychologie & Soziologie
  • Physik
  • Chemie
  • Biologie

Wie läuft das Physikum ab?

Das Physikum ist in einen schriftlichen und einen mündlich-praktischen Teil gesplittet.

  • Schriftlich: Zwei Tage, jeweils ca. 160 Multiple-Choice-Fragen (bundesweit vom Institut für medizinische und pharmazeutische Prüfungsfragen, kurz IMPP, gestellt).
  • Mündlich-praktisch: Prüfung in kleinen Gruppen, oft mit Präparaten, Modellen oder Mikroskopen.
    Bei mir waren es Vierergruppen. Wir wurden zu jedem Themenblock etwa 15–30 Minuten geprüft.

Wie bereitet man sich auf das Physikum vor?

Die meisten lernen bei ihrer Vorbereitung auf das Physikum etwa 30 Tage intensiv, häufig mit:

  • Lernplattformen (z. B. Amboss, Thieme: Beachtet, dass eure Uni kann dafür Nutzungslizenzen haben kann)
  • Zusammenfassungen („Endspurt“-Skripte: Beachtet, dass diese häufig auch in der Uni-Bib ausleihbar sind)
  • Medi-Learn-Videos (Beachtet: Der Preis für den Privatkauf ist sehr teuer, auch hier bieten viele Unis kooperative Finanzierungsmöglichkeiten an. Informiert euch deshalb gut vorab!)
  • Medi-Tricks (Gamechanger für Biochemie und auch das finanzieren manche Unis)
  • Sehr vielen alten Prüfungsfragen

Modellstudiengang – eine alternative Studienstruktur

Neben dem klassischen Medizinstudium gibt es an einigen Universitäten den sogenannten Modellstudiengang. Dort sind Vorklinik und Klinik weniger strikt voneinander getrennt: Klinische Inhalte, Patientenkontakt und praktische Fertigkeiten beginnen oft schon sehr früh im Studium. Häufig wird in Modulen, mit problemorientiertem Lernen (POL) und mehr praktischen Prüfungsformaten wie OSCEs (Objective Structured Clinical Examination) gearbeitet. Ein klassisches Physikum gibt es im Modellstudiengang meist nicht, stattdessen werden die Inhalte studienbegleitend geprüft. Die Staatsexamen am Ende (M2 & M3) und die Approbation sind jedoch identisch. Man wird also ganz normal Ärztin oder Arzt. Welches Modell besser passt, ist sehr individuell: Manche schätzen die klare Struktur des Regelstudiengangs, andere profitieren vom früheren Praxisbezug im Modellstudiengang.

2. Das zweite Staatsexamen (M2) – Klinik pur

Wann ist das zweite Staatsexamen?

Das zweite Staatsexamen aka Hammerexamen findet nach dem 10. Semester, also nach der gesamten Klinik und vor dem Praktischen Jahr.

Wie läuft das M2 ab?

Das M2 umfasst drei Prüfungstage mit insgesamt 320 Multiple-Choice-Fragen. Damit wird der komplette klinische Stoff abgedeckt.

Was sind die Inhalte des zweiten Staatsexamens?

Die Inhalte des zweiten Staatsexamens bestehen aus allem, was man klassisch mit Medizin verbindet:

  • Innere Medizin: Größter Anteil (ca. 20%)
  • Pharmakologie: Ca. 10%.
  • Chirurgie & Neurologie/Pädiatrie: Jeweils ca. 5–10%
  • Weitere Fächer: Gynäkologie, Psychiatrie, Augenheilkunde, HNO, Dermatologie, Urologie, Radiologie, Rechtsmedizin, Allgemeinmedizin, Hygiene, Arbeitsmedizin

Fast alle Fragen sind fallbasiert: „Patient kommt mit X – was ist der nächste sinnvolle Schritt?“

Wie bereitet man sich auf das zweite Staatsexamen vor?

Du kannst Dich klassisch mit einem 100-Tage-Lernplan auf das M2 vorbereiten. Hierbei kannst Du den Fokus auf Krankheitsbilder, Diagnostik und Therapie legen.
Gute Nachricht: Hier zählt Verständnis deutlich mehr als reines Auswendiglernen.
Auch beim M2 sind die Durchfallquoten niedrig und liegen meist unter 5 %. Der Lernplan ist weniger komprimiert als beim Physikum – hier geht es vor allem darum, ruhig zu bleiben und kontinuierlich zu lernen.

3. M3 – die ärztliche Abschlussprüfung

Wann ist das M3?

Die ärztliche Abschlussprüfung findet nach dem Praktischen Jahr (PJ) statt.

Wie läuft die ärztliche Abschlussprüfung ab?

Die ärztliche Abschlussprüfung ist mündlich-praktisch aufgebaut und erstreckt sich über zwei Tage. Geprüft wirst Du von insgesamt vier Prüfer:innen: aus der Inneren Medizin, der Chirurgie, Deinem Wahlfach sowie in dem Wahlfach von einer Person aus Deiner Prüfungsgruppe oder einem weiteren zugelosten Fach. Ein zentraler Bestandteil der Prüfung ist die Arbeit mit echten Patient:innen.
Beispiel: Zwei Personen hatten im PJ Urologie, zwei Radiologie. Dann werden alle in Innerer Medizin, Chirurgie, Urologie und Radiologie geprüft.

Im Verlauf der Prüfung solltest Du eine strukturierte Anamnese erheben, eine sorgfältige körperliche Untersuchung durchführen und darauf aufbauend sinnvolle diagnostische Schritte einleiten können. Ebenso wichtig ist es, eine fundierte Therapieplanung zu entwickeln. Im Mittelpunkt steht dabei stets das klinische, strukturierte ärztliche Denken – also die Fähigkeit, Befunde logisch zu verknüpfen und medizinisch begründete Entscheidungen zu treffen.

Wie bereitet man sich auf die ärztliche Abschlussprüfung vor?

Du hast überraschend wenig klassisches Lernen hier dabei. Das PJ selbst ist eher die wichtigste Vorbereitung. Viele empfinden das M3 daher als die fairste Prüfung im ganzen Studium, da hier entscheidend ist Patient:innen strukturiert vorzustellen.

Beim strukturierten Vorstellen werden die relevanten Informationen eines Patienten knapp, priorisiert und in einer festen, logischen Reihenfolge präsentiert (Aufnahmegrund, aktueller Status, relevante Anamnese, Befunde, Beurteilung und Plan). Ziel ist es, einen klaren roten Faden zu vermitteln, der klinische Zusammenhänge erkennen lässt, ohne sich in Details zu verlieren.

Die ganzen anderen Prüfungen im Medizinstudium

Neben den oben genannten Prüfungen M1, M2 und M3 gibt es im Studienalltag viele kleinere Leistungsnachweise. Je nach Universität summiert sich das auf deutlich über 100 Prüfungen. Nicht jede davon ist sehr anspruchsvoll und die meisten sind fair aufgebaut und gut wiederholbar. Also lass dich nicht verunsichern von der Zahl.

Für mündliche Prüfungen gibt es häufig Altprotokolle. Darin steht, welche Prüfer: innen was gefragt haben, und ja: Prüfer fragen sehr gerne in ihrem eigenen Fachgebiet und oft auch ähnliche oder wiederkehrende Themen ab.

Auch bei schriftlichen Prüfungen werden Fragen gesammelt und weitergegeben. Viele Klausuren lassen sich mit dem gezielten Lernen von Altfragen sehr gut bestehen. Natürlich sollte man die Inhalte verstehen, aber das Medizinstudium folgt klaren und verständlichen Strukturen und Mustern.

Überblick der Prüfungsformen im Medizinstudium

Schriftliche Prüfungen:

  • Multiple-Choice- und Single-Choice-Klausuren
  • Kurzantwortfragen (bei mir z. B. in Physik)

Mündlich & praktische Prüfungen:

  • Seminarprüfungen: Meist kleinere, inhaltlich fokussierte Prüfungen im Rahmen von Seminaren, oft mündlich oder schriftlich, die das Verständnis der behandelten Themen abfragen
  • OSCEs: Das sind praktische Prüfungen im Stationslauf-Format
  • Bedside-Teaching: Unterricht direkt am Krankenbett, bei dem man Patient:innen strukturiert vorstellt (wichtige Vorbereitung für PJ und M3), Untersuchungen demonstriert und klinische Fragen zu Diagnostik und Therapie beantwortet.

Studienbegleitende Prüfungen:

  • Referate
  • Fallvorstellungen
  • Praktische Scheine (Nähen, Reanimation, Ultraschall)

OSCE-Prüfungen – praktische Skills unter Prüfungsbedingungen

OSCEs (Objective Structured Clinical Examinations) sind 6-minütige praktische Prüfungen im Stationslauf-Format. Man Durchläuft mehrere Stationen (meist 5–10), an denen konkrete ärztliche Fertigkeiten geprüft werden: z. B. Anamnese führen, körperliche Untersuchung, Aufklärungsgespräche, Blutabnahme, Nähen oder Reanimation. Oft arbeitet man mit Schauspielpatient:innen oder Modellen, und an jeder Station gibt es klare Bewertungskriterien. Viele Studierende empfinden OSCEs als stressig, aber fair, denn hier zählt weniger auswendig gelerntes Wissen, sondern strukturiertes Vorgehen und praktisches Können. Mit Übung lassen sich diese Prüfungen sehr gut bestehen.

Zeitlicher Überblick: Wann passiert was im Medizinstudium?

  1. Semester 1-4 (Vorklinik): Grundlagen, ggf. Pflegepraktikum + Physikum (M1)
  2. Semester 5-10 (Klinik): Fachmodule, Famulaturen + zweites Staatsexamen (M2)
  3. Semester 11-12 (PJ): Arbeiten wie ein Arzt / eine Ärztin + ärztliche Abschlussprüfung (M3)
    Danach: Approbation 🎉

5. Fazit: Würde ich es wieder machen?

Wenn ich heute noch einmal vor der Entscheidung stünde, ob ich Medizin studieren soll, würde ich ohne Zögern Ja sagen. Nicht, weil alles immer leicht war, das war es definitiv nicht. Es gab stressige Zeiten, Lernmarathons und Tage, an denen ich kurz dachte, dass mir alles zu viel wird. Phasen, in denen ich müde war, gestresst oder das Gefühl hatte, nie genug zu wissen. Aber genauso gab es unglaublich viele Momente, in denen ich gemerkt habe, warum ich das hier eigentlich mache.

Rückblickend war für mich der schwierigste Teil nicht das Studium selbst, sondern überhaupt erst einen Studienplatz zu bekommen. Ist man erst einmal im Studium, findet man Schritt für Schritt seinen Weg. Man wächst mit den Anforderungen, findet seinen eigenen Lernstil und merkt irgendwann, dass man mehr schaffen kann, als man sich am Anfang zugetraut hätte.

Mein größter Tipp und das meine ich wirklich ernst: Lass Dich nicht verrückt machen.
Du musst nicht jeden Tag zehn Stunden in der Bibliothek sitzen, um ein guter Medizinstudierender zu sein. Mir haben kurze, konzentrierte Lerneinheiten deutlich mehr gebracht als endlose Tage am Schreibtisch. Genauso wichtig war für mich immer der Ausgleich: Sport, Zeit mit Familie und Freund:innen und Dingen, die nichts mit Medizin zu tun haben.

Medizin ist ein anspruchsvolles Studium, ja. Aber es ist auch eines, das unglaublich viel zurückgibt. Wenn Du echtes Interesse an Menschen, Medizin und klinischem Denken hast, dann sind Physikum, Hammerexamen & Co. Schritte auf einem Weg, der sich zu gehen lohnt.

FAQs

Ehrlich gesagt: Es ist machbar, aber kein Selbstläufer. Das Physikum ist nicht schwer, weil der Stoff unverständlich ist, sondern weil sehr viel Grundlagenwissen abgefragt wird und der Lernzeitraum noch dazu sehr intensiv ist. Dein Durchhaltevermögen wird damit auf die Probe gestellt werden. Viele empfinden die Vorklinik und das Physikum als die lernintensivste Phase im Studium. Vor allem am Anfang ist vieles neu, das Lernpensum hoch und der Vergleich mit anderen Studierenden oft präsent. Gut zu wissen: Du wirst auf dieses Examen nicht unvorbereitet losgelassen. Es gibt zahlreiche Wiederholungsklausuren, sodass man schon vor dem offiziellen Lernplan Vieles wiederholt hatte. Das Physikum testet vor allem Fleiß und Ausdauer, klinisches Denken spielt hier eher noch eine untergeordnete Rolle. An den meisten Universitäten liegt die Durchfallquote unter 10 %, wenn man regulär in der vorgesehenen Zeit antritt.

Das Medizinstudium ist: lernintensiv, manchmal frustrierend und definitiv kein 9-to-5-Studium. Aber es ist auch: sinnstiftend, extrem vielseitig, strukturiert & planbar und voller beruflicher Möglichkeiten. Wenn Dich der menschliche Körper, klinisches Denken und die Arbeit mit Menschen wirklich interessieren, dann sind Physikum, M2 & Co. keine Monster, sondern Etappen auf einem Weg, der machbar ist.

Das ist natürlich abhängig von den Universitäten, ganz allgemein kann man aber folgenden Richtwert festhalten: In der Vorklinik kommt man auf ungefähr 20 Prüfungen. Dabei sind die Naturwissenschaften wie Biologie, Chemie, Physik, die medizinische Terminologie (Latein) und die medizinische Psychologie mit einer Prüfung vertreten. Den größten Brocken macht natürlich die Anatomie aus: Die makroskopische Anatomie A und B werden schriftlich geprüft, dazu kommen drei mündliche Testate während des Präp-Kurses, die Seminare Anatomie Teil A und Teil B sowie zwei mündliche Prüfungen in der Hauptvorlesung, insgesamt also etwa neun bis zehn Prüfungen allein in Anatomie. Auch Biochemie ist aufgeteilt in Biochemie I sowie Biochemie II in Teil 1 und Teil 2, was drei Prüfungen ergibt und die Physiologie hat eine schriftliche Teilprüfung sowie eine schriftliche Gesamtprüfung. In der klinischen Phase wird es dann noch umfangreicher. Dort gibt es schriftliche Theorieprüfungen, praktische Prüfungen, Prüfungen in den Blockpraktika sowie Prüfungen in den Querschnittsbereichen. Zählt man wirklich alle benoteten theoretischen und praktischen Prüfungen zusammen, kommt man auf etwa 75 Einzelprüfungen allein in der klinischen Phase. Und obendrauf kommen noch die großen Meilensteine wie das Physikum, das zweite Staatsexamen und das dritte Staatsexamen. Somit sind es insgesamt ca. 100 Prüfungen die während des Medizin Studiums auf Dich zukommen. Auf den ersten Blick klingt das nach einer fast unüberschaubaren Masse an Prüfungen und ja, es sind viele. Aber in der Realität geht man Prüfung für Prüfung durch, hakt sie ab und merkt schnell, dass das Ganze gut machbar ist, wenn man einen klaren Plan hat. Natürlich handhabt jede Universität die Prüfungen ein bisschen anders: Manche Prüfungen werden zusammengelegt, an anderen Unis sind bestimmte Prüfungen mündlich statt schriftlich oder andersherum. Trotzdem bleibt das Prinzip dasselbe und Stück für Stück arbeitet man sich durch.

Welche Prüfungen im Medizinstudium als die schwersten empfunden werden, ist natürlich sehr individuell und hängt stark von den eigenen Stärken, Interessen und Vorerfahrungen ab. Viele empfinden das Physikum als die schwerste. Dabei geht es weniger um die reine Schwierigkeit einzelner Fragen, als vielmehr um die enorme Stoffmenge, die stark naturwissenschaftlich geprägt ist und oft wenig mit dem zu tun hat, was viele eigentlich am Medizinstudium reizt: klinisches Denken und Patient:innenbezug. Dazu kommt, dass das Physikum für die meisten die erste wirklich große, bundesweit standardisierte Prüfung ist, sodass man vorher noch nie etwas Vergleichbares erlebt hat. Dieses Gefühl nicht genau zu wissen, was einen erwartet, wie streng bewertet wird und ob die eigene Lernstrategie „reicht“, macht die Prüfungen zusätzlich belastend. Rückblickend ist es oft weniger der Inhalt selbst als die Kombination aus Umfang, Druck, fehlender Erfahrung und der Distanz zur klinischen Medizin, die das Physikum für viele zur mental härtesten Hürde im Medizinstudium macht.

Das Medizinstudium gilt als extrem anspruchsvoll, weshalb oft der Eindruck entsteht, dass besonders in den Staatsexamina viele Studierende durchfallen. Aber ein Blick auf die offiziellen Zahlen relativiert dieses Bild jedoch deutlich. Hier gibt es die Offiziellen IMPP-Ergebnisberichte und Durchfallquoten, die keine Mythen verbreiten, sondern wahre Zahlen zeigen. In Deutschland ist das Institut für medizinische und pharmazeutische Prüfungsfragen (IMPP) die zentrale und verlässliche Stelle für die schriftlichen Teile der ärztlichen Prüfungen und veröffentlicht nach jedem Examen ausführliche Ergebnisberichte. Diese enthalten unter anderem Teilnehmerzahlen, Bestehens- und Nichtbestehensquoten, Notenverteilungen und teilweise auch hochschulspezifische Auswertungen und eignen sich daher hervorragend, um reale Durchfallquoten einzuordnen. Die Daten zeigen über die Jahre hinweg ein stabiles Muster: Sowohl im Physikum (M1) als auch im Zweiten Abschnitt der Ärztlichen Prüfung (M2) bestehen in der Regel deutlich über 85–95 % der angetretenen Kandidat:innen, im Dritten Abschnitt (M3) fällt kaum noch jemand durch.

Der Ruf des Medizinstudiums als „Aussieb-Studiengang“ erklärt sich weniger durch hohe objektive Durchfallquoten als vielmehr durch die enorme Stoffmenge, die emotionale Belastung der Prüfungsphasen und die starke Präsenz einzelner Durchfallerfahrungen im studentischen Umfeld. Insgesamt lässt sich festhalten: Wer bis zu den Staatsexamina kommt und sich strukturiert vorbereitet, hat nach den offiziellen IMPP-Zahlen sehr gute Chancen zu bestehen.

Dabei sollte man jedoch bedenken, dass es natürlich auch ein bisschen auf die jeweilige Universität ankommt: Manche Hochschulen weisen etwas höhere Durchfallquoten auf als andere, und hier könnt ihr euch den Vergleich der verschiedenen Unis in Ruhe durchschauen.


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