Das Praktische Jahr (kurz PJ in Deutschland) oder Klinisch Praktische Jahr (kurz KPJ in Österreich) umfasst das letzte Studienjahr des Humanmedizinstudiums. In diesem Artikel erfährst Du alles, was Du dazu wissen musst.

Ziele und Inhalte des PJ im Medizinstudium

Das Praktische Jahr im Medizinstudium (PJ oder KPJ) ist ganz bewusst im letzten Studienjahr angesiedelt. Es dient dazu, das Wissen und die Fähigkeiten, die Du Dir in fünf Jahren Medizinstudium angeeignet hast, in praktischen Tätigkeiten zu festigen und Dir so den Berufseinstieg zu erleichtern. Du wirst daher in dieser Zeit hauptsächlich in Kliniken tätig sein.

Der Hauptteil Deiner täglichen Arbeit liegt in der Durchführung von Anamnesen, Untersuchungen, im Schreiben von Arztbriefen und in der Anordnung von Untersuchungen. Wie Du bestimmt merkst, sind das alles Aufgaben, die sonst bereits fertige Ärzt:innen durchführen. Du bist dabei natürlich nicht allein. In der Regel wirst Du bei den meisten Tätigkeiten angeleitet oder supervidiert. Einfachere Aufgaben, wie zum Beispiel Anamnesen, darfst Du meist schon alleine durchführen und anschließend eine sogenannte Übergabe machen.

Ablauf und Dauer des PJ Im Medizinstudium

In Deutschland und Österreich sind insgesamt 48 Wochen für das PJ vorgeschrieben. Die 48 Wochen sind dabei in drei 16 Wochen Blöcke aufgeteilt, die sogenannten Tertiale. Du hast dabei ein 16 Wochen Tertial welches im Bereich der Inneren Medizin absolviert werden muss, ein 16 Wochen Tertial in einem chirurgischen Bereich und die letzten 16 Wochen dürfen in einem Fach Deiner Wahl absolviert werden. Hier gibt es meist noch ein paar besondere Regelungen, wie die Aufteilung des Wahltertials erfolgt. Diese Regelungen sind allerdings immer unterschiedlich und hängen von den Vorgaben Deiner Universität ab.

Rechte & Pflichten im PJ

Arbeitszeiten

Die Arbeitszeiten werden meist direkt mit der Klinik abgestimmt, sollen jedoch dem jeweiligen Ausbildungsziel der Universität entsprechen (in der Regel 35-40h/Woche).

Urlaubstage und Fehltage/Krankheit

In Deutschland stehen Dir 30 Urlaubstage zu und in Österreich 25 Urlaubstage. Allerdings gilt im PJ die Regel, dass Krankheitstage von diesem Kontingent abgezogen werden. Fehltage können in Absprache mit der jeweiligen Klinik nachgeholt werden. Krankheitstage müssen ärztlich attestiert sein.

Überstunden

Überstunden sind erlaubt, sollen jedoch mit Freizeit wieder ausgeglichen werden. Wann dies geschieht, sprichst Du am besten mit deinem/deiner PJ-Beauftragen ab. Achte auf spezielle Fristen. Manche Unis erlauben es nicht Urlaub oder auch Überstundenabbau in der letzten Woche deines Tertials zu absolvieren.

Haftung

Als PJ-Student:in brauchst Du immer noch eine Krankenversicherung, Haftpflichtversicherung und Unfallversicherung. Die Unfallversicherung wird allerdings meistens über Deinen Semesterbeitrag der Universität gestellt.

Bewertung und Prüfungen im PJ

Am Ende jedes Tertials bekommst Du eine Bestätigung, welche Du dann in der Regel bei Deiner Heimatuniversität einreichen musst. Am Ende des PJ findet in Deutschland dann das sogenannte M3 und in Österreich die Return-Week statt.

M3 in Deutschland

Das M3 ist das dritte Staatsexamen im deutschen Medizinstudium und umfasst zwei Tage Prüfung in denen Innere Medizin, Chirurgie, ein Wahlfach und ein zugelostes Fach geprüft werden. Am ersten Tag findet eine praktische Prüfung statt, die eine Vorstellung und Untersuchung am Krankenhausbett beinhaltet mit einer anschließenden mündlichen Prüfung.

Return-Week in Österreich

Die Return-Week umfasst anders als der Name vermuten lässt nicht eine ganze Woche, sondern einen Tag mit mündlichen Prüfungen. Am Anfang des Prüfungstages musst Du eine Fallvorstellung präsentieren, die du bereits einige Wochen vor dem Prüfungstag abgegeben hast. Die mündliche Prüfung umfasst dann Themengebiete aus dem Bereich  der Inneren Medizin und Chirurgie, die Du in einer Liste vorher angeben hast.

Arbeitsalltag im Praktischen Jahr Medizin

Wir wollen Dir hier einen ungefähren Alltag im PJ schildern und wählen exemplarisch einen Tag auf einer chirurgischen Abteilung.

7:30 Uhr: Morgenbesprechung

Du startest den Tag mit Arbeitskleidung und der Morgenbesprechung, die meist zwischen 7:30 Uhr und 8 Uhr stattfindet. Es werden zunächst die Operationen und Neuigkeiten von Patient:innen vom Vortag kurz und prägnant wiedergegeben. Es kann sein, dass Du sogar eigene Patient:innen hast und hier auch Deine Patient:innen präsentierst. Anschließend übernimmt meist der/die zuständige Ärzt:in, welche/r die Nachtschicht oder den 24h-Dienst hatte und berichtet über Neuigkeiten von der Nacht. Danach wird noch kurz das OP-Programm und die Arbeitsbereiche besprochen und dann startet der Arbeitsalltag.

8 Uhr: Blutabnahmen, Stationsalltag und OP

Oft werden Studierende aufgeteilt, damit alle Bereiche in denen helfende Hände gebraucht werden, verteilt sind. Während die einen also in den OP gehen, um dort zu assistieren, geht ein anderer Teil und hilft in der Ambulanz bei Wundnachsorge, Erstvorstellungen, Dokumentation und OP-Planung. Die restlichen Studierenden begeben sich auf Station, um dort bei Visite mitzugehen, die anstehenden Blutabnahmen durchzuführen, Verbandswechsel und Anordnung von Untersuchungen zu übernehmen.

12/13 Uhr: Mittagspause

Mittags gibt es dann meistens eine kurze Pause. Für Studierende im OP kann es allerdings auch sein, dass diese mal etwas zu kurz kommt und verschoben wird.

13 bis 16/17 Uhr: Restliche To-Dos und PJ-Unterricht

Nach der Mittagspause werden die restlichen nicht so dringlichen To-Do´s abgearbeitet. Auf Station folgt oft noch eine Überprüfung der Medikationen und nicht erledigte To-Dos werden für den nächsten Tag vermerkt. Die meisten Kliniken bieten auch mindestens einmal pro Woche einen sogenannten PJ-Unterricht vor. Dabei handelt es sich um Vorlesungen zu klinischen Inhalten, die am Nachmittag abgehalten werden. Viele PJ-Studierende berichten jedoch, dass dieser Unterricht oft kaum bis gar nicht durchgeführt wird. Je nach Klinik ist dann meist zwischen 16 bis 17 Uhr Schluss und Du hast Feierabend.

WICHTIG: Es handelt sich hier lediglich um einen schematischen Tagesablauf. Je nach Fachrichtung und Größe der Abteilung können die Aufgaben variieren. Es gibt außerdem Kliniken, die für PJ-Studierende eine Art Schichtsystem planen, wodurch sich dann auch die Aufgaben unterscheiden. Wenn Du dein PJ planst, informierst Du Dich am besten auf https://www.pj-ranking.de/.

Wie hilft mir das PJ Ranking?

Das PJ-Ranking ist eine Seite, auf der Medizinstudierende Bewertungen zu Praktika (Famulaturen) und dem PJ abgeben können. Dort wird bei den meisten Bewertungen auch immer angegeben, ob es eine Bezahlung gibt und wie hoch diese ausfällt. Es wird zudem angegeben, wie weit im Voraus eine Bewerbung nötig ist.

PJ im Ausland – was beachten?

Wenn Du ein Tertial im Ausland machen möchtest, empfiehlt sich eine Bewerbung an Deiner gewünschten Klinik bereits bis zu zwei Jahren im Voraus. Das liegt daran, dass die Kliniken oft Plätze für ihre eigenen Studierenden reservieren. In Deutschland findet abgesehen von den Auslandstertialen die Planung über das PJ-Portal statt und die Plätze werden dadurch zentral vergeben für Studierende aus Deutschland.

In Österreich und der Schweiz findet die Bewerbung sowohl für In- als auch für ausländische Studierende direkt über die jeweilige Abteilung statt. Hierfür benötigst du in der Regel einen aktuellen Lebenslauf und ein Motivationsschreiben, sowie eine aktuelle Immatrikulationsbescheinigung. Für Auslandstertiale gibt es an den meisten Universitäten auch eine Beratungsstelle.

In der folgenden Tabelle haben wir Dir die wichtigsten Unterschiede zwischen dem PJ in Deutschland und Österreich zusammengefasst.

DeutschlandÖsterreich
BezahlungMaximal ca. 500€ bruttoBis zu 900€ brutto
BewerbungZentral über PJ-Portal für deutsche Student:innen, direkt an der Klinik für ausländische Student:innenFür alle Bewerber:innen direkt an der Klinik
BewerbungszeitraumInländische Studierende: Start an zwei Zeitpunkten möglich:

a) PJ Start Mai*:
Registrierung im PJ-Portal: ca. Ende Oktober bis Mitte November
Lokale Buchungsphase: Dezember bis Januar
Nationale Phase: ab Februar

b) PJ Start November*:
Registrierung im PJ-Portal: ca. Ende März bis Mitte April
Lokale Buchungsphase: Mai
Nationale Phase: ab Juli

Ausländische Studierende:
Bewerbung jederzeit direkt über die Abteilung an der Klinik oder über Erasmus
Für inländische Studierende 01.04. des Vorjahres, für ausländische Studierende mind. 2 Jahre im Voraus oder sehr kurzfristig
Fehltage30 Fehltage (max. 20 Fehltage pro Tertial)25 Fehltage

*Die lokale Phase umfasst Kliniken, die zu Deiner Heimatuniversität gehören. Die nationale Phase umfasst dann noch freie Kliniken, die nicht zu deiner Heimatuni gehören, sondern zu anderen Städten.

Tipps zur PJ-Planung

In unserem PDF findest Du eine Checkliste was Du vor deinem PJ Start erledigt haben solltest und zusätzliche Tipps die Dir den Einstieg in das Praktische Jahr erleichtern.

Fazit

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das PJ eine spannende Zeit bietet und mit ausreichend Planung und positivem Mindset auch eine super Lernerfahrung ist.

FAQs

Das Praktische Jahr umfasst die letzten zwei Semester im Medizinstudium. Dabei bist Du ausschließlich in der Klinik oder medizinischen Bereichen (Praxen, Laboren) tätig, um Dich auf die Arbeit als Arzt/Ärztin vorzubereiten.

Das PJ umfasst in Deutschland und Österreich 48 Wochen. Diese werden in drei Blöcke à 16 Wochen unterteilt, das sind dann die sogenannten Tertiale. An manchen Universitäten gibt es gelegentlich abweichende Regelungen.

In der Regel sind zwei Tertiale von den Universitäten vorgeschrieben. Zum einen ein 16 Wochen Tertial im Bereich der Inneren Medizin und ein weiteres 16 Wochen Tertial in einem chirurgischen Fach. Die letzten 16 Wochen dürfen meiste frei innerhalb des Wahlfaches gewählt werden.

Ja, Du kannst das PJ auch im Ausland machen. Informiere Dich gut über das PJ-Ranking, deine Universität oder Online-Foren (z.B https://www.studis-online.de/ oder Jodel)  zu den möglichen Terminen, um die häufig frühe Anmeldefrist von ca. zwei Jahren im Voraus nicht zu verpassen. Mit eines der beliebtesten Länder in Europa ist die Schweiz.

Derzeit gibt es keine vorgeschriebenen Regelungen, sodass die Bezahlung und Verpflegung in der Verantwortung der einzelnen Kliniken liegen. An den meisten Kliniken gibt es eine Aufwandsentschädigung von im Schnitt etwa 500€ brutto (s. PJ-Ranking). In der Regel besteht über Deine Heimatuni eine Unfallversicherung, die auch Schäden und Untersuchungen bei zum Beispiel einer Nadelstichverletzung übernimmt. Eine Krankenversicherung musst Du meistens selbst abschließen. Informiere Dich hier jedoch nochmal bei den Kliniken, an denen Du dein PJ absolvierst, da es hier auch Ausnahmeregelungen gibt.

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