In Österreich musst Du für Deinen Titel keine separate Doktorarbeit schreiben: Mit dem Abschluss des Medizinstudiums bekommst Du automatisch den akademischen Grad Dr. med. univ. Dafür ist im Studium eine verpflichtende wissenschaftliche Arbeit vorgesehen – je nach Uni eine Diplom- oder Masterarbeit. Hier erfährst Du, wie sie abläuft, wie lange sie dauert und ob Du den Titel auch in Deutschland führen darfst.
Was ist der Dr. med. univ.?
Der Dr. med. univ. ist der Abschluss des Medizinstudiums in Österreich. Alle Absolvent:innen der Medizinischen Universitäten schließen mit diesem akademischen Grad ab. Die Abkürzung steht für „Doctor medicinae universae“, also „Doktor der gesamten Heilkunde“.
Voraussetzung ist, dass Du Dein Medizinstudium erfolgreich abgeschlossen hast – dann bekommst Du den Titel automatisch. Eine zusätzliche Promotion wie in Deutschland brauchst Du dafür nicht.
Doktorarbeit in Österreich: Diplomarbeit oder Masterarbeit?
Statt einer Doktorarbeit schreibst Du in Österreich eine Pflicht-Abschlussarbeit im Rahmen des Studiums. Welche Form sie hat, hängt vom Studienort ab:
- Wien, Innsbruck, Graz: Diplomarbeit (Diplomstudium Humanmedizin)
- Linz: Masterarbeit (Bachelor- und Masterstudium Humanmedizin)
Vom Umfang her sind diese Arbeiten oft mit einer medizinischen Doktorarbeit in Deutschland vergleichbar.
Egal, wo Du studierst: Der Weg ins Medizinstudium führt in Österreich über den MedAT. Wie Du Dich mit MedGurus darauf vorbereiten kannst, findest Du in unserer Übersicht der MedAT-Vorbereitungskurse.
Warum ist die wissenschaftliche Arbeit in Österreich Pflicht?
Mit dem Dr. med. univ. trägst Du einen Doktortitel – und der steht für eine gewisse Kompetenz im wissenschaftlichen Arbeiten. Die Medizinischen Universitäten in Österreich wollen sicherstellen, dass diese Kompetenz auch tatsächlich vorhanden ist. Deshalb ist die wissenschaftliche Arbeit fest im Curriculum verankert.
Darf man den Dr. med. univ. in Deutschland führen?
Ja, den Dr. med. univ. darfst Du auch in Deutschland führen – allerdings nur in der vollständigen Form „Dr. med. univ.“. In Deutschland gilt er als Berufsdoktorat und nicht als Forschungsdoktorat. Deshalb darfst Du ihn nicht als „Dr.“ in Deinen Personalausweis oder Reisepass eintragen lassen.
Um in Deutschland als Ärzt:in zu arbeiten, beantragst Du die Approbation bei der zuständigen Behörde des Bundeslandes, in dem Du arbeiten möchtest – oft geht das über ein Online-Portal. Da Österreich und Deutschland beide in der EU sind, wird Dein Abschluss automatisch anerkannt. Der Antrag ist daher vor allem Formsache. Wie lange die Bearbeitung dauert, hängt von der Behörde ab – plane am besten einige Wochen bis Monate ein.
Wie läuft die Diplomarbeit bzw. Masterarbeit in Österreich ab?
Du kannst Dir in der Regel ein Thema aus den Angeboten der Uni aussuchen oder aktiv auf Betreuer:innen zugehen und nach einem Thema fragen. Bevor Du Dich entscheidest, lohnt es sich, über ein paar Punkte nachzudenken.
Weißt Du schon, in welchem Fach Du Deinen Facharzt machen möchtest?
Wenn Du bereits weißt – oder zumindest ahnst –, in welche Richtung es später gehen soll, ist es sinnvoll, Deine Arbeit in diesem Fachbereich zu schreiben. So knüpfst Du wertvolle Kontakte, kannst wissenschaftliches Arbeiten vorweisen und lernst das Fach noch besser kennen.
Kennst Du gute Betreuer:innen in diesem Bereich?
Frag Studierende aus höheren Semestern, die bereits bei diesen Betreuer:innen schreiben, nach ihren Erfahrungen. Deine Betreuer:innen prägen Deine Arbeit stark, da sie die Ziele festlegen und Deine Arbeit korrigieren. Wenn Du lange auf Antworten warten musst, kann sich die Arbeit deutlich in die Länge ziehen. Hast Du noch keine Ahnung, in welche Richtung es für Dich gehen soll, ist die Wahl Deiner Betreuerin oder Deines Betreuers umso wichtiger.
Prospektive oder retrospektive Arbeit?
Falls Du die Wahl hast, überleg Dir vorher, welche Art von Arbeit Du schreiben möchtest:
- Prospektive Arbeiten sind meist experimentell. Sie können sehr zeitintensiv sein, haben dafür aber oft bessere Chancen, publiziert zu werden.
- Retrospektive Arbeiten nutzen bereits vorhandene Daten und sind daher meist weniger zeitintensiv. Dafür werden sie seltener publiziert.
Sobald Deine Daten vorliegen, schreibst Du die Arbeit, die anschließend begutachtet wird. Danach verteidigst Du sie mündlich: Du stellst Deine Arbeit und Deine Ergebnisse vor Prüfer:innen vor und beantwortest im Anschluss deren Fragen.
Wie lange dauert die wissenschaftliche Arbeit?
Das ist sehr unterschiedlich. Je nach Projekt und je nachdem, wie zügig Du schreibst – das ist oft auch eine Frage der Motivation –, solltest Du mit mindestens sechs Monaten rechnen. Es kann aber auch mehrere Jahre dauern.
Was passiert, wenn Du die Arbeit nicht innerhalb der 12 Semester fertig bekommst?
Anders als in Deutschland kannst Du Dein Studium in Österreich erst abschließen, wenn die wissenschaftliche Arbeit fertig ist. Bis dahin bleibst Du als Studierende:r eingeschrieben – ähnlich, als hättest Du eine Pflichtprüfung noch nicht bestanden.
Als EU-Bürger:in zahlst Du keinen Studienbeitrag, solange Du die vorgesehene Studienzeit pro Studienabschnitt um nicht mehr als zwei Toleranzsemester überschreitest. Erst danach wird ein Studienbeitrag fällig.
Wie lässt sich die wissenschaftliche Arbeit mit dem Studium vereinbaren?
Das hängt von der Größe des Projekts und Deinen zeitlichen Kapazitäten ab. Wenn Du neben dem Studium arbeitest, bleibt während des Semesters oft wenig Zeit. Viele Studierende nutzen deshalb die vorlesungsfreie Zeit, um ihre Arbeit voranzubringen.
Bekommst Du für Deine Arbeit Geld?
In der Regel nicht. Zwar nutzen Arbeitsgruppen und Betreuer:innen Teile Deiner Daten oft für spätere Projekte, sie unterstützen Dich aber auch unentgeltlich – etwa mit Beratung und beim Korrekturlesen. Bei experimentellen Arbeiten wirst Du manchmal als Hilfskraft angestellt, und ein Teil Deiner bezahlten Tätigkeit fließt in Deine Daten ein. Das ist aber eher die Ausnahme.
Was ist der Unterschied zwischen Dr. med. univ. und PhD?
Der Dr. med. univ. ist ein berufsbezogener Doktortitel, den Du mit dem Studienabschluss erhältst. Der PhD dagegen ist ein eigenständiges Forschungs-Doktoratsstudium, das mindestens drei Jahre dauert und international als Doktortitel anerkannt ist. Wenn Du Dein Medizinstudium in Österreich abgeschlossen hast, kannst Du also zusätzlich ein PhD-Studium anschließen.
FAQ: Doktorarbeit in Österreich
Erst der MedAT, dann die Diplomarbeit
Bevor es um Deine wissenschaftliche Arbeit geht, steht der Medizinaufnahmetest an. Bei MedGurus findest Du Kurse, Bücher und Probetests für Deine MedAT-Vorbereitung.
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