Soll ich Medizin studieren oder lieber doch nicht? Passt das Studium denn überhaupt zu mir und kann ich das schaffen? Mit dieser Frage bist Du nicht allein, denn diese stellen sich Tausende Studierende. Wir haben in diesem Artikel für Dich wichtige Entscheidungsfragen aufbereitet, Mythen aufgedeckt und Antworten auf die wichtigsten Fragen gegeben. Wir hoffen der Beitrag bringt bei Dir etwas mehr Licht ins Dunkle.
Voraussetzungen & Anforderungen für das Medizinstudium
Bevor wir genauer darauf eingehen, ob das Medizinstudium und der darauffolgende Berufsalltag zu Dir passen, sollten wir zunächst einmal die formalen und persönlichen Anforderungen klären.
a) Formale Voraussetzungen
Abitur
Tatsächlich ist das Abitur nicht mehr der allerwichtigste Punkt. Du kannst Dir zwar mit einem sehr guten Abitur auch direkt einen Platz sichern, allerdings ist es auch ohne eins komma Abitur mittlerweile möglich Medizin zu studieren. Es gibt sogar Möglichkeiten ganz ohne Abitur Medizin zu studieren.
Der TMS ist der deutsche Mediziner:innentest und wird mittlerweile an fast allen deutschen Universitäten berücksichtigt. Wie stark Dein TMS-Ergebnis, gewichtet wird, hängt von der jeweiligen Universität ab. Klar ist jedoch, dass er deine Chancen auf einen Medizinstudienplatz deutlich erhöhen kann. Mehr Informationen, findest Du in unserem TMS-Leitartikel.
Der MedAT ist der österreichische Aufnahmetest für Medizin. Anders als in Deutschland zählt dein Abitur bei der Aufnahmeprüfung gar nicht und es wird ausschließlich das MedAT Ergebnis als Zulassungskriterium genutzt.
Der EMS ist der Schweitzer Mediziner:innentest und dem TMS vom Aufbau sehr ähnlich. Die wichtigste Info ist hier, dass der EMS tatsächlich ausschließlich von Schweitzer:innen geschrieben werden kann. Mehr Informationen zum EMS findest Du hier.
Medizinstudium im europäischen Ausland
Zusätzlich zum TMS für Deutschland und den MedAT für Österreich gibt es auch noch viele weitere europäische Universitäten, an denen Du dich bewerben kannst. Allerdings sind hier meisten eher hohe Studiengebühren fällig und es gibt auch an vielen dieser Universitäten Aufnahmetests oder spezielle Zulassungskriterien.
b) Persönliche Anforderungen
Prinzipiell kann jede:r mit einem gewissen Interesse an Naturwissenschaften, dem menschlichen Körper und dem Wunsch nach einem sozialen Beruf Medizin studieren. Es gibt allerdings einige Qualitäten, die definitiv hilfreich sind und Du entweder bereits an Dir kennst oder in Zukunft zu entwickeln denkst.
Durchhaltevermögen
Das Medizinstudium ist ein Marathon und kein Sprint. Du musst Dir also bewusst sein, dass immer wieder Herausforderungen auf Dich zukommen, die es zu meistern gilt. Schnell aufgeben ist hier also kein Weg, weil es ganz menschlich ist auch mal eine Prüfung nochmal schreiben zu müssen. Keine Sorge, wenn Du bis jetzt noch nicht so viel Durchhaltevermögen besitzt, dies ist ein erlernbarer und trainierbarer Skill.
Disziplin und Lernbereitschaft
Du musst für das Medizinstudium ein gewisses Maß an Disziplin und Lernbereitschaft mitbringen. Denn auch wenn Du an sich motiviert bist, sind nicht alle Lerninhalte immer superspannend und die Prüfungen erfordern oft, dass Du über lange Zeiträume hinweg lernen musst. Das bedeutet selbst bei spannenden Themen braucht es meist Disziplin, um diese Themen dann auch langfristig zu lernen.
Stresstoleranz
Dieser Punkt ist vermutlich recht nachvollziehbar. Das Medizinstudium bringt nicht nur eine große Stoffmenge und damit mündliche und schriftliche Prüfungen mit sich. Du hast oft parallel auch noch Praktika, in denen Du vorbereitet sein musst oder auch praktische Prüfungen. Zudem kommt hinzu, dass der Arbeitsalltag im Krankenhaus, den Du bereits während Deines Studiums mitbekommen wirst oft sehr stressintensiv ist.
Verantwortungsbewusstsein
Mit einer der wichtigsten Punkte. Als Ärzt:in wirst Du sehr viel Verantwortung haben, die Du oft auch allein tragen musst. Das kann und will nicht jeder für sich, da die Konsequenzen im Medizinbereich Menschen betreffen. Das ist ein hohes Maß an Verantwortung das getragen werden muss und dessen Du dir bewusst sein solltest. Du wirst zwar immer mehr in diese Rolle geleitet und es ist kein direkter Sprung ins kalte Wasser, allerdings wird der Tag kommen, an dem Du die letztverantwortliche Person bist.
Inhalte des Medizinstudiums
Grob lässt sich das Medizinstudium in die Vorklinik und Klinik unterteilen, wonach sich auch die Studieninhalte unterscheiden lassen. Du kannst hier also abgleichen, ob die Inhalte zu Deinen Interessen und Vorstellungen passen.
Vorklinik: In der Vorklinik werden vor allem naturwissenschaftliche Grundlagen gelehrt. Das umfasst Biologie, Chemie, Physik, Biochemie, Physiologie und auch die allgemeine Zelllehre die Histologie. Du solltest also ein grundlegendes Interesse an Naturwissenschaften haben, da diese einen großen Teils Deines Studiums einnehmen.
Klinik: Die Klinik umfasst dann, wie der Name schon preisgibt, den klinischen Alltag und die Krankheitsbilder in den verschiedenen Fachbereichen. In diesem Abschnitt lernst Du Patient:innen zu untersuchen und zu behandeln. Es ist also der praktischere Teil Deines Medizinstudium. Für Medizin ist es also auch von Bedeutung dir genaue Abläufe, Skills und viele Informationen zu Krankheiten zu merken und abrufen zu können. Oft ist hierbei ein gewisses Maß an Organisation, Eigenverantwortung und Multitasking gefragt.
Warum sollte ich Medizin studieren?
Du magst es Menschen zu helfen
Der wohl naheliegendste Punkt, ist das Bedürfnis anderen Menschen zu helfen und eine sinnstiftende Arbeit zu verüben. Hilfsbereitschaft und der Wunsch Anderen in misslichen Lagen wir Unfällen und Krankheitsfällen zu helfen ist der Dreh- und Angelpunkt deiner Arbeit.
Du arbeitest gern im Team
Medizin bleibt am Ende des Tages meistens ein Team-Job.Sei es im OP, auf Station oder in der Notaufnahme. Du bist auf die Unterstützung deiner Kolleg:innen aus allen Bereichen angewiesen. Eine gute Zusammenarbeit ist wichtig, damit keine Informationen verloren gehen und Du die bestmögliche Versorgung deiner Patient:innen zu gewährleisten.
Du möchtest einen zukunftssicheren Job mit vielen Möglichkeiten
Medizin ist definitiv einer der zukunftssicheren Jobs, die es derzeit gibt. Zwar wird in Zukunft deine Arbeit eventuell durch AI und Roboter ergänzt werden, allerdings wird es wohl schwierig eine Krebsdiagnose durch einen Roboter überbringen zu lassen. Gerade in Deutschland gehen im nächsten Jahrzehnt auch viele Ärzt:innen in Rente. Zudem gibt es auch viele Berufsaussichten als fertige/r Mediziner:in, da Du als Ärzt:in, Forscher:in, Professor:in oder sogar in der Politik arbeiten kannst.
Für wen ist Medizin nicht geeignet?
Ein Medizinstudium passt nicht zu jeder Person — und das ist auch völlig in Ordnung. Gerade weil Studium und späterer Beruf sehr fordernd sind, lohnt es sich, ehrlich zu prüfen, ob Deine eigenen Stärken, Interessen und Erwartungen wirklich zu Medizin passen.
Dir fehlen wichtige persönliche Voraussetzungen
Das Medizinstudium verlangt viel Lernbereitschaft, Disziplin und Belastbarkeit. Wenn Du ungern konstant lernst, schnell gestresst bist oder Dir feste Strukturen schwerfallen, kann Medizin sehr herausfordernd werden.
Die Studieninhalte interessieren Dich nicht
Im Studium beschäftigst Du Dich über Jahre mit naturwissenschaftlichen und medizinischen Themen wie Anatomie, Physiologie, Biochemie, Krankheiten, Diagnostik und Therapie. Wenn Du mit diesen Inhalten wenig anfangen kannst, wird es schwer, langfristig motiviert zu bleiben.
Du kannst Dir den späteren Berufsalltag nicht vorstellen
Auch der spätere Beruf sollte zu Dir passen. Geregelte Arbeitszeiten sind gerade in der Facharztausbildung oft eher die Ausnahme, stattdessen gehören Schicht-, Wochenend- und Feiertagsdienste in vielen Bereichen dazu. Auch hierarchische Strukturen sind in der Medizin weit verbreitet. Wenn Du beides klar ablehnst, solltest Du gut überlegen, ob Medizin wirklich zu Dir passt.
Du hast einen stark ausgeprägten Ekel
Dieser Punkt ist nicht zu unterschätzen. Im Medizinstudium und im späteren Beruf wirst Du mit Körperflüssigkeiten, Gerüchen und anderen unangenehmen Situationen konfrontiert. Ekel ist normal, sollte Dich aber nicht handlungsunfähig machen. Wenn Du damit überhaupt nicht umgehen möchtest, ist Medizin eher nicht die beste Wahl.
Mythen um das Medizinstudium
Nur mit einem richtig gutem Abi wird man auch ein/e gute/r Medizinstudent:in!
Ein gutes Abitur allein entscheidet noch nicht deinen Erfolg im Studium. Tatsächlich zeigt sich bereits seit vielen Jahren, dass auch Student:innen die kein 1,0er Abitur hatten, das Medizinstudium ohne Probleme meistern. Nicht ohne Grund nimmt die Bedeutung von Aufnahmetests immer zu. Mit einem klaren Ziel vor Augen (Medizin studieren > Ärzt:in werden) ist es für den Großteil an Menschen einfacher dizipliniert zu lernen und zu arbeiten, um an das gewünschte Ziel zu kommen.
Medizinstudent:innen sind nur am Lernen und haben keine Zeit für Freizeit
Auch hier können wir aus eigener Erfahrung Entwarnung geben. Nur weil Du Medizin studierst, bedeudet es nicht, dass Du keine Freizeit mehr hast. Generell ist Zeitgestaltung im Studium meist etwas flexibler als noch in der Schule. Wir wollen Dir an dieser Stelle keine falschen Hoffnungen machen: Medizin ist definitiv einer der zeitaufwendigsten Studiengänge, die es derzeit gibt, aber dennoch findet sich Zeit für Freizeit, Freunde und Familie. Es wird Phasen geben, an denen musst Du vielleicht etwas priorisieren und hast etwas weniger Zeit zur Verfügung, weil eine wichtige Prüfung ansteht, dafür folgen auch wieder entspanntere Zeiten.
Medizinstudent:innen studieren nur für Ansehen und Geld
Dieses Vorurteil hält sich wohl recht hartnäckig. Allerdings können wir Dir aus Erfahrung, dass Ansehen und Geld für die meisten die Punkte sind, die am wenigsten zur Entscheidung beigetragen haben. Für die meisten steht tatsächlich im Fokus einen sinnstiftenden Beruf zu haben bei dem man anderen Menschen hilft. Zudem verdient man zwar gut als Ärzt:in, dafür sind aber auch die Arbeitsbedingungen gerade am Anfang sehr hart mit Schichtdienst, bis zu 70h/Woche etc.
Fazit
Abschließend haben wir Dir noch 7 Fragen zusammengestellt, mit denen Du nochmal genau reflektieren kannst, ob Medizin das Richtige Studium für Dich ist.
- Bist Du bereit viel zu lernen, auch Inhalte, an denen Du kein Interesse hast?
- Bist Du bereit viele Praktika (Famulaturen, PJ, etc) unbezahlt zu absolvieren?
- Ist Dir bewusst, dass deine Ausbildung mehr als ein Jahrzehnt umfasst, wenn man Studium und Assistenzarztausbildung zusammenfasst?
- Was sind Deine Beweggründe Medizin zu studieren?
- Arbeitest Du gern im Team?
- Arbeitest Du generell gern und viel?
- Kannst Du Dir den Arbeitsalltag als Ärzt:in vorstellen?
Der Weg ins Medizinstudium
Du fragst Dich, wie Du am besten ins Medizinstudium reinkommst? Dann schau mal in unseren Artikeln zu den Bewerbungen für das Medizinstudium vorbei.
FAQs
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